Dies und Das

Wie achtsam sind wir eigentlich?

Stay Focused

Die hektisch besinnlichen Tage sind kaum vorbei, die Geschenke alle gekauft, ausgepackt und umgetauscht, da gibt es schon das nächste Event zu gestalten. Jahreswechsel! Gute Vorsätze, Feiern wie, wo und mit wem? Wir haben kaum Luft durchzuatmen. Irgendwie schafft ein Teil von uns es dann doch, uns selbst zu überholen und Alles in den Griff zu bekommen. Am Ende warten wir, dass der Rest von uns rechtzeitig zum Event nachkommt so das wir uns wieder als Einheit fühlen. Wir fühlen uns abgehetzt und der Genuss bleibt leider zu oft auf der Strecke.

Was bleibt?

Wir haben doch alles so gemacht wie wir uns das vorgestellt haben und fühlen uns doch so leer! Was fehlt uns, was können wir noch machen, damit es uns besser geht? Irgendwo in einem Magazin stand doch da was von down shifting, Ent­schleu­ni­gung, und war da nicht das Heft mit den vielen Angeboten „von der Kunst zu leben“?

Trotz Erschöpfung also schnell einen Yogakurs, ein Meditations-Seminar, einen Satsang, Qi Gong, Tai Chi, die Selbsterfahrungsgruppe, oder ein Glücksseminar buchen – wieso eigentlich nicht alles auf einmal – dann geht es mit der Erholung vielleicht schneller. Oder ist das alles wieder Quatsch, vielleicht sollten wir uns auf das wesentliche konzentrieren. Arbeit und Erfolg! 

Ist das mit der Erschöpfung nicht wieder nur eine Ausrede, damit wir all die Dinge die wir uns vorgenommen haben und im im letzten Jahr „schon wieder nicht erreicht haben“ auch diesmal nicht machen müssen? Was soll das also mit der Achtsamkeit?

Was ist Achtsamkeit überhaupt?

Mit Achtsamkeit im Sinne von Mindfulness ist diejenige geistige Einstellung gemeint, in der man sich um ein breites und gleichmütig-akzeptierendes Achtgeben auf alle Phänomene bemüht, die „im Geist“, also „in“ der Wahrnehmung oder Vorstellung („im Bewusstsein“) auftauchen: Gedanken aller Art wie Erinnerungen oder sonstige Vorstellungen, Sinneswahrnehmungen aus der Umgebung sowie aus dem eigenen Körperinneren einschließlich aller emotionalen Vorgänge.*

Eine neue Zeit ohne Achtsamkeit

Ethische Haltungen wie Echtheit, Empathie und Achtsamkeit sind Karrierebremsen. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, der ständigen Konkurrenz um den besten Job, den begehrtesten Partner, das ausgefallenste Freizeitevent**, die neuesten Statussymbole und am besten so viel und so schnell wie möglich gleichzeitig. Die Welt in der wir leben, ist eine Welt der Gleichzeitigkeit. Die Überbeanspruchung durch Arbeit, persönliche Termine, „Soziale“ Medien und ständige Erreichbarkeit nimmt ständig zu. Nicht selten findet man die Spezies: Überstunden geplagte Berufspendler, die neben dem Reisen gleichzeitig noch telefonieren, auf dem Notebook Emails schreiben, im Internet surfen, dabei einen Kaffee to go trinken (obwohl sie sitzen) und „Fast Food“*** in sich hinein schlingen, um danach das Short-Book „Die Langsamkeit des Seins“ oder den Quick-guide „Geduld üben“ zu hören. Gut das es Menschen wie den Dalai Lama, Mahatma Gandhi, Mutter Theresa oder Nelson Mandela als Vorbilder gibt. Sie sind die, auf die wir uns berufen können, wenn wir auf den Afterwork-Parties, schnell unser Privatleben konsumieren. Sozusagen Life to go inklusive einen Schuss Ethik und Spiritualität, bevor wir uns wieder in den Alltag stürzen, um noch schneller, noch flexibler und noch mehr am Puls der Zeit zu sein, ach was! WIR GEBEN DEN PULS DER ZEIT VOR! WIR SIND DER PULS! DIE ZEIT!

Die Spiritualität der Selbsoptimierung

Wir sind immer und überall erreichbar, immer mobil, immer offen für alles und lassen uns alle Optionen offen. Dabei raubt uns ständige Erreichbarkeit Zeit für Gedanken, Reflexion und Genuss. Der eigene, an sich selbst gerichtete Leistungsanspruch, immer flexibel, immer erreichbar, sportlich aktiv und überall dabei zu sein, fördert die Überlastung von Körper, Geist und Psyche. Dies ist der Nährboden für Depression und Burn Out****. Man bekommt den Eindruck das ein moderner, erfolgreicher Mensch einen Burn Out als Statussymbol erreicht haben muss. Wer noch keinen Burn Out hatte, hat den Zenit seiner Leistungsfähigkeit noch nicht erreicht. Die somatischen Symptome zeigen sich schon früh. Mattigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Verlust der Libido, abnehmendes Interesse an seinem sozialen Umfeld.

Wo stehen wir?

Haben wir wirklich dies alles – ethische Haltung, Tugenden und moralische Anteile – abgelegt wie ein unbequemes, unmodernes Kleidungsstück oder verdrängen, kompensieren wir diese Gefühle? Schneiden wir uns ab von unseren Gefühlen und inneren Erleben, um den Druck der eigenen und anderen Anforderungen, stand halten zu können? Was oder wer sind wir noch, wenn wir uns von unserem inneren Erleben abschneiden? Was können wir für uns und andere tun? Ein achtsames fokussieren auf das inneren Erleben, hilft uns, das zu finden, was wirklich im Moment wichtig ist. Achtsamkeit bedingt Langsamkeit. Nehmen Sie sich die Zeit, achtsam Ihre wahren Bedürfnisse und Wünsche besser kennenzulernen, um schneller ein erfülltes und entspanntes Leben zu führen.

Quelle des Artikels: https://consult-glass.de/wie-achtsam-sind-wir-eigentlich/ Erstveröffentlichung: 2009

* Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Achtsamkeit

** Wir sprechen nicht mehr von Freizeitvergnügen, denn Vergnügen hat etwas mit verweilen zu tun. Verweilen ist Langsamkeit und wer langsam ist, könnte was verpassen, oder doch gewinnen?

*** Ich frage mich: Kann man Fast Food auch langsam essen?

**** Fachlich ist ein Burnout eine Erschöpfungsdepression (ICD 10 V F32.9)

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